Glossar

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht

Stand:

Definition

Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG bewirkt, dass bestimmte deutsche Einkünfte auch nach einem Wegzug in ein Niedrigsteuerland für 10 Jahre in Deutschland steuerpflichtig bleiben.

Was ist die erweiterte beschränkte Steuerpflicht?

Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG:

  • Gilt für 10 Jahre nach Wegzug
  • Betrifft bestimmte deutsche Einkünfte
  • Greift bei Wegzug in Niedrigsteuerländer
  • Erweitert den Katalog der steuerpflichtigen Einkünfte

Warum gibt es das?

Verhinderung von Steuerflucht durch:

  • Wohnsitzverlagerung in Niedrigsteuerländer
  • Bei Beibehaltung deutscher Einkommensquellen

Wann greift die erweiterte beschränkte Steuerpflicht?

Voraussetzungen

KriteriumAnforderung
Vorherige Steuerpflicht5 der letzten 10 Jahre unbeschränkt steuerpflichtig
Neuer WohnsitzNiedrigsteuerland
Wesentliche wirtschaftliche InteressenIn Deutschland vorhanden

Was ist ein Niedrigsteuerland?

Ein Land, in dem die Steuerbelastung:

  • Erheblich niedriger ist als in Deutschland
  • Oder keine Steuern erhoben werden

Typische Beispiele:

  • VAE (Dubai)
  • Monaco
  • Panama
  • Bahamas

Welche Einkünfte sind betroffen?

Erweiterte Steuerpflicht auf

EinkunftsartNormal beschränktErweitert beschränkt
Gewerbebetrieb (inländisch)
Selbstständige Arbeit (inländisch)
Nichtselbstständige Arbeit (inländisch)
Kapitalerträge (inländisch)
Vermietung (inländisch)
Dividenden aus < 1% Beteiligung
Zinsen (alle)
Lizenzen
Veräußerungsgewinne (erweitert)Teilweise

Entscheidender Unterschied

Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht erfasst mehr Einkünfte als die normale beschränkte Steuerpflicht.

Die 10-Jahres-Frist

Beginn

Ab dem Tag des Wegzugs (Aufgabe des Wohnsitzes/gewöhnlichen Aufenthalts).

Ende

Nach 10 Jahren endet die erweiterte Steuerpflicht automatisch.

Beispiel

EreignisDatum
Wegzug aus Deutschland01.01.2025
Erweiterte Steuerpflicht bis31.12.2034
Ab 2035Nur noch normale beschränkte Steuerpflicht

Wesentliche wirtschaftliche Interessen

Was zählt dazu?

  • Betriebsvermögen in Deutschland
  • Beteiligungen an deutschen Gesellschaften
  • Immobilien in Deutschland
  • Patente und Lizenzen mit deutschem Bezug

Schwellenwerte

Die wirtschaftlichen Interessen müssen “wesentlich” sein — dies wird im Einzelfall geprüft.

Praktische Auswirkungen

Für Auswanderer

  1. Planung vor Wegzug — Welche Einkünfte bleiben?
  2. 10 Jahre beachten — Langfristige Steuerpflicht
  3. Dokumentation — Nachweise für Finanzamt

Steuererklärungspflicht

  • Jährliche beschränkte Steuererklärung in Deutschland
  • Anlage AStG ausfüllen
  • Deutsche Einkünfte deklarieren

Vermeidung oder Minimierung

Legale Strategien

  1. EU/EWR-Länder wählen — § 2 AStG greift bei EU-Ländern nicht
  2. Wirtschaftliche Interessen verlagern — Vor Wegzug
  3. Frist abwarten — 10 Jahre, dann endet die erweiterte Pflicht

EU-Privilege

Bei Wegzug in einen EU/EWR-Staat:

  • § 2 AStG greift nicht
  • Nur normale beschränkte Steuerpflicht
  • Grund: Europarecht

Zusammenspiel mit anderen Regelungen

Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG)

  • Betrifft Wertsteigerungen von Anteilen
  • Einmalig bei Wegzug
  • Ergänzt § 2 AStG

DBA

  • Doppelbesteuerungsabkommen können greifen
  • Aber: § 2 AStG hat Vorrang, wenn kein DBA
  • Bei DBA: DBA-Regelungen beachten

Praktisches Beispiel

Du ziehst nach Dubai (VAE):

EinkunftsartDeutschland besteuert?
Mieteinnahmen aus deutscher ImmobilieJa (10 Jahre)
Dividenden aus deutscher AG (0,5%)Ja (10 Jahre)
Zinsen aus deutschem BankkontoJa (10 Jahre)
Gehalt aus DubaiNein
Dividenden aus US-AktienNein

Nicht verwechseln mit

  • Beschränkte Steuerpflicht — Normale Besteuerung nur auf inländische Einkünfte
  • Wegzugsbesteuerung — Betrifft Wertsteigerungen bei Anteilen, nicht laufende Einkünfte

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